Gemeindebrief (barrierefrei)

III/2021: Pfarrer*in für die Zukunft

Inhalt

Andacht

Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!“ Jesaja 35, 3+4

Liebe Gemeinde!

Eine Pfarrerin, ein Pfarrer wird in der Gegenwart und für die Zukunft ausgerüstet sein, so wie es auch schon in der Vergangenheit war. Bei allem Wandel, den es gibt, wird die Seelsorge und Fürsorge für die Menschen
in Kirchengemeinde und Gesellschaft zu den Grundaufgaben gehören.

Das haben wir alle hier in der Region hautnah miterlebt bei der Unwetterkatastrophe Mitte Juli. Da galt und gilt es weiterhin, mitanzupacken in Dreck und Schlamm, in der Rettung und Sicherung der Menschen, bei der Versorgung mit dem Lebensnotwendigen, dem Beistand auch in Notfallseelsorge und Gebet, dem Wiederaufbau. Das biblische Wort aus Jesaja 35 gilt auch heute: Wahrnehmen der Not und mit allen Sinnen die Menschen stärken und festigen. Die müden Hände, die weichen Knie, die erschöpften Körper und erschrockenen Seelen nicht allein lassen, sondern nah bei ihnen sein. Sie unterstützen mit dem, was uns, was jedem Einzelnen von uns möglich ist. Zuhören, aussprechen lassen, Anteilnehmen an ihrer Not, entlasten, einen Augenblick der Ruhe und des Innehaltens atmen, Orientierung finden und ermutigen, stärken mit Gottes Segen, um mit unterstützender Hilfe Schritt für Schritt zu gehen.

Das Wort aus Jesaja ist ein Wort gerichtet nicht an einen Einzelnen, sondern an eine Gruppe von Menschen. In der Gemeinschaft können wir diese Aufgabe „stemmen“, mit den je eigenen Begabungen uns einbringen. Zur Gemeinschaft zählen da nicht nur die Pfarrerinnen und Pfarrer, die Presbyterinnen und Presbyter und Mitarbeitenden, sondern jedes Gemeindeglied und letztlich jeder von uns Menschen in der Nähe und Ferne. Das WIR ist gefragt, Hand in Hand zu leben und zu handeln. „Fürchtet Euch nicht!“ Wir brauchen dazu einen langen Atem. Gott selbst geht diesen Weg mit uns.

Gehen Sie gesegnet und behütet durch diesen Sommer und Herbst!

Ihre Manuela Quester, Pfarrerin im Krankenhaus

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Liebe Leserinnen, liebe Leser

„Na, was willst Du denn mal werden?“ Diese Frage wird immer noch sehr häufig von Erwachsenen an Kinder oder Jugendliche gestellt, aber auch Jugendliche stellen sich diese Frage selbst, weil es langsam Richtung Abschluss, Ausbildung, Studium oder einen anderen Weg geht, mit dem man sich seinen Platz in der Gesellschaft schaffen möchte. Neben der altbewährten Tierärztin, dem Lokführer, dem Feuerwehrmann und der Astronautin, gibt es heutzutage auch die YouTuberin, den Software-Entwickler und den Administrator. Sich zu entscheiden, was man einmal werden will, ist keine leichte Aufgabe. Gibt es doch so viele verschiedene Ansätze, die alle ihre Berechtigung haben. Seinen Träumen folgen, das Hobby zum Beruf machen, anderen Menschen helfen, etwas für die Gesellschaft tun. Wie steht es in diesem Kosmos der Vielfältigkeit mit dem Beruf des Pfarrers?

Auf den ersten Blick scheint es klar, was dieses Amt an Aufgaben mit sich bringt: Gottesdienste organisieren, Seelsorge, Taufe, verheiraten, Gemeindearbeit leisten, usw. Angesichts dieser vielfältigen Aufgaben stellt sich jedoch gleichzeitig die Frage, worin genau der Kern des Pfarramts besteht. Auch die evangelische Kirche stellt sich zurzeit diese Frage, weshalb sie es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Aufgaben und Zeiten dienstlicher Beanspruchung der Pfarrer*in zu beleuchten und stärker zu konkretisieren. Mit dem Titel „Zeit für das Wesentliche“ widmet sich die evangelische Kirche aktuell diesem Thema und arbeitet gemeinsam mit Pfarrerinnen und Pfarrern sowie den Presbytern der Gemeinden daran, die Fragen nach dem Wesentlichen der Gemeindearbeit beantworten zu können.
Dieser aktuell noch andauernde Prozess bildet den Ausgangspunkt dieses Gemeindebriefes, welcher etwas Licht in die Frage bringen soll, was Pfarrer*innen heutzutage leisten müssen und wie sie es schaffen, sich dabei auf das Wesentliche zu konzentrieren. Starten werden wir mit der biblischen Perspektive auf die Ämter in einer Gemeinde und wie sich das Pfarramt historisch entwickelt hat. Nicht zu vergessen der Weg der Frauen in den Pfarrdienst. Sie werden einiges darüber erfahren, warum man heutzutage noch Pfarrer*in wird und wie es ist, im Team mit anderen Menschen einer Kirchengemeinde zu arbeiten. Außerdem soll ein Einblick in den Alltag unserer Pfarrer*innen gegeben werden. Wie sie diesen organisieren, ohne sich dabei zu verlieren, wie flexibel sie arbeiten, um nicht zu sagen „agil“, um allen Anforderungen gerecht zu werden, die sich tagtäglich in der Gemeinde ergeben. Wann ist da Freizeit, wie grenzt man sich ab, gibt es Überstunden oder eine Arbeitszeiterfassung?

Außerdem berichten wir von außergewöhnlichen Pfarrdienststellen und stellen Ihnen das Pfarrstellenrahmenkonzept mit einigen Hintergrundinformationen vor. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und laden Sie ein, vielleicht etwas Neues über das Dasein der Pfarrer*innen zu erfahren.

Judith Heibter

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Ämter in der Gemeinde und die Geschichte des Pfarrdienstes

Schon in den ersten christlichen Gemeinden gibt es Dienste (gr. διακονία/diakonia, lat. ministerium), mit denen Menschen aus der Gemeinde beauftragt werden. Frauen und Männer wirken mit ihren besonderen Gaben in der Gemeinde (1. Kor12, 28). Solche Dienste waren die Verkündigung, die Spendung der Sakramente Taufe und Abendmahl, die Seelsorge und die Hilfe für Not-
leidende. In Apostelgeschichte 6, 1-7 wird von der Wahl der sieben Armenpfleger berichtet, um die Jünger von der Aufgabe der Versorgung der Witwen und Waisen zu entlasten, damit sie weiterhin ihren Dienst der Gemeindeleitung und der Verkündigung ausüben können. Später wird in der westlichen Kirche für diese Dienste das keltische Wort ampaht (dt. Dienst) benutzt,1 aus dem über die Zeit im Lutherdeutsch das Wort Ampt und noch später das deutsche Wort Amt entsteht. Während dieser sprachlichen Entwicklung verliert das Wort nach und nach die ursprüngliche Bedeutung und wird eher ein Begriff, der eine Stellung mit entsprechenden Rechten und Pflichten bezeichnet. Doch inhaltlich geht es weiterhin um die verschiedenen Dienste am Evangelium.

Einer dieser Dienste ist der Pfarrdienst.

Pfarrer“(-in) „ist eine in christlichen Gemeinden verwendete Bezeichnung für eine Person, die mit der Leitung einer Kirchengemeinde oder Pfarrei betraut ist und die Verantwortung trägt für die Leitung von Gottesdiensten, die seelsorgliche Betreuung und in der Regel auch für die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten der Pfarrei oder Kirchengemeinde[…].Anstelle der Leitung einer Gemeinde kann ein Pfarrer jedoch auch einen besonderen Dienst übernehmen.“2

Pfarerr*innen arbeiten zum Beispiel als: Schulpfarrer, Krankenhauspfarrer, Gefängnispfarrer, Leiter karitativer Einrichtungen, Studenten-/Hochschulpfarrer, Studienleiter evangelischer Akademien, Wirtschafts- und Sozialpfarrer, Betriebsseelsorger, Militärpfarrer, Polizeipfarrer, Schiffs- und Notfallseelsorger, Fernsehpfarrer, Medienpfarrer, Zirkuspfarrer oder Schaustellerpfarrer.

Das Wort Pfarrer ist eine Ableitung von Pfarre bzw. althochdeutsch pfarra „Amtsbezirk eines Pfarrers“, das vom griechischen παροικία (Paroikia = „Nachbarschaft“) entlehnt wurde.3 Der Pfarrer ist demnach „der zur Pfarre Gehörige“.4

Während seit der Reformation sehr viel Wert auf das Priestertum aller Gläubigen gelegt wird, das beschreibt, dass jeder Christ und jede Christin dazu berufen ist, in seinen bzw. ihren Lebenszusammenhängen das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen und den Menschen zu dienen, wird der Pfarrer/ die Pfarrerin für den besonderen Dienst in der Gemeinde oder in der Funktion berufen. Um diesen Dienst auszuüben benötigt man ein abgeschlossenes Theologiestudium an das sich eine praktische Ausbildungsphase, das sog. Vikariat, anschließt. Nach einem Probedienst und der Ordination kann man sich auf eine Pfarrstelle bewerben.

 Lange Zeit waren die zentralen Aufgaben im Pfarrdienst die Feier der Gottesdienste und Sakramente, Unterricht und Seelsorge. Im 19. Jahrhundert entstehen mit der zunehmenden Verstädterung die Ortsgemeinden, die in der anonymen Großstadt Menschen einen Ort und Gemeinschaft geben sollen, wo bzw. in der sie ihren Glauben leben und gestalten können.5 „Möglichst viele der nominellen Gemeindeglieder sollten in eine aktive Gemeindearbeit integriert werden.“ Dadurch ergab sich auch für den Pfarrberuf eine Fülle von Aufgaben. Neben die klassischen Aufgabenfelder des Gottesdienstes und der Unterweisung tritt die Anforderung, Menschen über vielfältige Angebote in ihrer Freizeit mit der christlichen Botschaft in Kontakt zu bringen. Dies führt auch zu einem hohen organisatorischen Aufwand.

Diverse Rollen scheinen sich anzubieten wie die klassischen Ämter des Propheten, der Priesterin, des Lehrers, der Meisterin, des Heilers und der Wegbegleiterin, aber auch die Rolle der Werbestrategin, des Publizisten, der Kommunikationswirtin, des Systemtheoretikers, Managers oder Künstlers.“6

Seit dem Beginn dieser Entwicklung wird in der theologischen Diskussion die Frage gestellt, was denn das Eigentliche des Pfarrberufes sei. Auch die Entwicklungen unserer Zeit, wie die voranschreitende Ausdifferenzierung unserer Gesellschaft und der Rückgang von Finanzen, Kirchenmitgliedern und Menschen, die den Pfarrberuf ergreifen, zwingen uns zu dieser Auseinandersetzung und stellen uns letztendlich die uralte Frage, wie das Evangelium, die gute Botschaft Gottes durch die unterschiedlichen Dienste der Kirche so kommuniziert werden kann, dass Menschen zum Glauben finden können, und welche Aufgabe Pfarrerinnen und Pfarrer hierbei haben.

Stefanie Graner

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Mutige Schritte – Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst

„Nicht immer ist abzusehen, was ein im Glauben getaner mutiger Schritt nach vorne in dieser Sache für die Zukunft der Kirche auch bei uns bedeuten kann.“

So beginnt das Grußwort des im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen Nassau (EKHN) herausgegebenen Buches „Mutige Schritte – 50 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst“. Es erschien im November 2020, um den Kampf der Frauen zu würdigen, die sich für die Abschaffung der Zölibats-Klausel für Frauen im Pfarrdienst der Evangelischen Kirche einsetzten bzw. die Enttäuschungen der Pfarrerinnen darzulegen, die automatisch mit dem Tag der Heirat in den Status „Pfarrer in Ruhe“ versetzt worden sind. Viele von ihnen kehrten nie wieder in den Pfarrdienst zurück. Meist gingen sie in den Schuldienst oder diakonische Einrichtungen, manche starben gar im Groll auf die Institution Kirche.

Auch wenn es für manch einen fremd klingt, es gab sie, die Zölibats-Klausel für Pfarrerinnen der evangelischen Kirche in Deutschland.

Sie entfiel erst 1971 in der EKHN und in unserer, der Rheinischen Landeskirche, sogar erst 1975, d.h. erst seit Mitte der 70er Jahre werden Pfarrerinnen nicht mehr am Tag ihrer Heirat in den Stand „Pfarrerin in Ruhe“ versetzt und dürfen ihren Beruf bzw. ihre Berufung weiter ausüben, wenn sie heiraten.

Wie kam es aber nun zur Zölibatsklausel für Pfarrerinnen, denn für ihre männlichen Kollegen galt sie nicht.

Die Zölibats-Klausel für Frauen war im 19. Jahrhundert fester Bestandteil des Beamtenrechtes. 1921 wurde sie zwar vom Reichsgericht für verfassungswidrig erklärt aber bereits zwei Jahre später wieder eingeführt und erst 1953 auf Bundesebene und 1957 auf Landesebene abgeschafft. Das heißt, rein rechtlich benötigt eine verheiratete Frau erst seit 1958 keine Zustimmung des Ehemannes mehr zur gewünschten Berufstätigkeit. Diese Zölibats-Klausel des Beamtenrechtes war in den Jahren 1926 – 1932 in die ersten Theologinnen-Gesetze übernommen worden

Die Benachteiligung der Frauen begann ursprünglich bereits bei der theologischen Ausbildung. Seit 1908 war in Preußen das theologische Universitätsstudium Frauen zwar möglich, aber sie durften kein 1. theologisches Examen machen. Wenn sie einen Abschluss erwerben wollten, mussten sie promovieren.

Carla Barth, die erste Frau, die 1907 an einer deutschen Universität den Doktorgrad erworben hatte, nicht in Bonn oder Marburg, wo sie studiert hatte, sondern in Jena, konnte ebenfalls noch nicht in den Gemeindedienst. Sie ging in den Schuldienst und erhielt als erste Frau 1927 einen Ehrendoktortitel der Universität Königsberg für zeitgemäße Gestaltung des Religionsunterrichtes. Die Weimarer Reichsverfassung bewirkte 1919 die grundsätzliche Gleichstellung von Männern und Frauen. Das veranlasste die theologischen Fakultäten, nach und nach eine eigene universitäre Abschlussprüfung für das Studium einzuführen, wodurch auch Frauen einen Abschluss erwerben konnten, ohne dafür promovieren zu müssen. Manche Landeskirchen ließen Frauen in den 20er Jahren dann auch zum 1. theologischen Examen zu. Das Kirchengesetz der Altpreußischen Union von 1927 aber beschränkte den Auftrag der Theologinnen auf Zuarbeit und Entlastung des männlich geführten Pfarramtes. Theologinnen wurden Vikarin, nicht Pfarrerin genannt, i.d.R. nicht ordiniert, sondern nur eingesegnet und ihnen blieben Gemeindegottesdienste sowie die Verwaltung der Sakramente verwehrt. Auch der Verdienst war deutlich niedriger, teilweise um bis zu 70%, mit der Begründung dass Pfarrerinnen ja unverheiratet seien und daher keine Familie zu ernähren hätten. Man bedenke, sie mussten unverheiratet sein! Doch wie gelangen nun die Auflösung der kirchlichen Zölibats-Klausel und die vollständige Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst bis hin zur Erlaubnis der gleichgeschlechtlichen Ehe von Pfarrer*innen heute? Es war eine Diskussion, die sich über mehr als 50 Jahre erstrecken sollte und letztlich durch geschicktes Handeln der ersten Präses der EKHN, Frau Marianne Queckbörner, und eines diesem Schritt wohlgesonnenen Rechtsausschussvorsitzenden, Herrn Dr. Hans Zöll, in Gang kam.

Noch in den 50er Jahren herrschte die Meinung vor, Frauen hätten im Pfarrdienst nichts zu suchen bzw. es herrschten Zweifel, ob Frauen geistig und / oder körperlich in der Lage hierzu wären. Es fanden sich unter Theologen und Synodalen folgende Aussagen: „Ein Vollgottesdienst von einer Frau gehalten, ist ungültig. Der Altar kann der Platz einer Frau nicht sein“. Oder „Die Frau ist ja dazu bestimmt, später Hausfrau zu werden, (…). Sie wird deshalb auch niemals den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Überblick haben, den ein Mann nun einmal hat.“

Frau Pfarrerin Gräßel-Farnbauer, die die Texte in o.g. Buch „Mutige Schritte“ verfasste, stieß aber bei ihren Recherchen in den Archiven auch auf diesen Ausspruch eines Synodalen im Jahr 1958: „Es sind theologische und biblische Begründungen dafür gegeben worden, dass eine Frau nicht Pfarrerin sein kann, aber man hat dabei gemerkt, wie viel Untergründiges dabei eine Rolle gespielt hat. Wir wollen es einmal ganz ehrlich und deutlich sagen! Das männliche Ressentiment und der männliche Hochmut spielen hier eine ganz erhebliche Rolle!“

Doch zur Synode der EKHN 1968 unter Leitung von Frau Marianne Queckbörner, die die Abschaffung anschob, heißt es im Grußwort des o.g. kürzlich erschienenen Buches:

„Gegen die vorherrschende Skepsis der Kirchenleitung brachten 38 Synodale 1968 einen Initiativantrag in die Synode ein, der den Zölibatsvorbehalt für Pfarrerinnen aufheben wollte: Auch Pfarrerinnen sollten heiraten können, ohne ihre Stelle aufgeben zu müssen.

Übrigens die erste Superintendentin unserer Landeskirche war 1992 Hannelore Hänsler. Als sie 1976 als erste Frau in die Kirchengemeinde Kerpen-Brüggen bei Köln eingeführt wurde, trat noch eine komplette Familie aus der evangelischen Kirche aus und nutzte die Medien, um öffentlich zu erklären, dass eine Frau nicht in den Pfarrdienst gehört. Ich meine, es ist hilfreich, von dem Mut der Theolog*innen und Synodalen zu erfahren, den sie in Diskussionen, Formulierungen und Entscheidungen zum Ausdruck gebracht haben. Man musste sich dazu von Vertrautem lösen, Konventionen und Traditionen hinterfragen, nicht zu vergessen, dass diesem Schritt eine fast 50-jährige Diskussion voranging. Ich hoffe, auch heute und in Zukunft haben beide Seiten weiterhin Mut und Beharrlichkeit zu neuen Schritten, zum Beispiel auch im Rahmen der Umstrukturierungen, die infolge des Mangels an Pfarrer*innen auf unseren Kirchenkreis zukommen werden.

Ruth Naaf

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Warum bin ich Pfarrer geworden?

Weitergeben, was mich bewegt

Als Teamer in der neu konzipierten Konfirmandenarbeit meiner Heimatgemeinde Rheinbach habe ich erlebt, dass es dem eigenen Glauben gut tut, über ihn zu reden. Gleichzeitig wollte ich das, was mir einerseits Halt gab, mich aber andererseits auch sehr bewegte und beschäftigte, an andere weitergeben. Ganz so wie es Friedrich Schleiermacher beschreibt: Meine religiösen Erfahrungen drängten zur Darstellung.

Diese grundsätzliche Motivation ist bis heute geblieben. Ich möchte, mit anderen teilen, was mir im Leben Orientierung und Sinn gibt. Gleichwohl hat sich der Schwerpunkt etwas verschoben: Ging es mir als Jugendlichem noch primär darum, andere von meinem Glauben zu überzeugen, ist mir seit dem Studium wichtiger geworden, auch die Erfahrungen und Überzeugungen anderer kennenzulernen. Gemeinsam suchen und finden

Ich erlebe heute gerade den Austausch mit anderen als große Bereicherung. Miteinander die eigenen Erfahrungen mit dem dreieinigen Gott zu teilen, schafft eine lebendige Glaubensgemeinschaft, in der jede und jeder zugleich sucht und findet. Erst in diesem fortwährenden Prozess von Sehen, Hören und Handeln wird die Beziehung zu Gott lebendig.

Vielfalt und Einheit

Am Pfarrberuf hat mich immer auch die Vielfalt unterschiedlicher Aufgaben und Arbeitsbereiche fasziniert. In verschiedenen Lebensphasen Schwerpunkte setzen zu können, die zu den eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen passen, macht den Beruf langfristig attraktiv. Gleichzeitig geht in der Vielfalt der Auf-gaben, der dahinterstehende Sinn nicht verloren: Menschen mit der befreienden Botschaft Jesu Christi in Kontakt zu bringen, ihnen damit in Nöten beizustehen
und sie die Liebe Gottes punktuell erfahren zu lassen, ist das verbindende Band zwischen den sehr unterschiedlichen Tätigkeiten. Oder wie es eine Freundin formuliert hat: „Du hast Glück: Bei dir ist immer klar, dass du etwas Gutes machst.“

Potenziale entdecken

Umso schmerzlicher ist darum die Beobachtung, dass die Kirche als Institution in der Wahrnehmung vieler Menschen an Bedeutung verliert. Schwindende Mitgliederzahlen drohen die Handlungsmöglichkeiten der Kirche in Zukunft einzuschränken. Deshalb ist es dringend an der Zeit, jetzt die Weichen zu stellen. Dabei wird es vor allem darum gehen, vorhandene Potenziale zu entdecken: Mitglieder, die sich entfremden, keinen Sinn oder Nutzen in ihrer Mitgliedschaft mehr sehen, gezielt anzusprechen und mit ihnen passende Formen von Kirche als Gemeinschaft von Menschen, die mit Gott in Beziehung treten möchten, zu entwickeln.

Menschen mitnehmen

Dieser Aufbruch wird allerdings nur gelingen, wenn das Priestertum aller Gläubigen neu entdeckt wird und Angebote mit den Zielgruppen statt für Zielgruppen entwickelt und umgesetzt werden. Ich möchte den nötigen Prozess, der gerade auch Leitungsgremien wie die Presbyterien betrifft, anstoßen und begleiten und in vielen kleinen Schritten vor allem der Erkenntnis zum Durchbruch verhelfen, dass mit diesen Veränderungen ganz neue Chancen und Möglichkeiten auf uns und unsere Kirche warten.

Mit meinem persönlichen Glaubensweg liegt ein ähnlicher Weg bereits hinter mir: Auf diesem Weg habe ich Vielfalt als Ausdruck der göttlichen Größe begreifen gelernt und dadurch Gemeinschaft bzw. Einheit ganz neu entdeckt

Malte große Deters

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Warum werde ich Pfarrerin?

Obwohl ich keinen starken Bezug zu Religion hatte, begann ich nach meiner Konfirmation im Frühjahr 2010 in unserer Gemeinde den Konfirmationsunterricht mitzumachen. Mich haben unsere Gemeinschaft und der lebhafte, facettenreiche Austausch über unseren Glauben sofort fasziniert. An meiner ehrenamtlichen Arbeit gefiel mir, dass mir Verantwortung übertragen wurde und ich selbstständig meine Kreativität dabei ausleben durfte. Als ich mehr Gottesdienste selbst gestalten durfte und tiefere Einblicke in die Aufgaben einer Pfarrperson hatte, stand schnell für mich fest, dass ich diese Arbeit später hauptberuflich machen möchte. Besonders schätze ich
die vielfältigen Aufgabenbereiche und dass ich als Pfarrerin die Menschen in allen Lebenslagen begleiten darf. Ich denke, dass das die Besonderheit dieses Berufes ausmacht. Das war ein wichtiger Punkt für meine Entscheidung, da ich später auf jeden Fall mit Menschen arbeiten und etwas bewirken wollte. Außerdem reizte mich am Pfarrberuf, dass man ständig Neues dazu lernt und immer im Austausch mit anderen Menschen steht, wodurch man andere Perspektiven lernen und sich selbst weiterentwickeln kann. Daher entschied ich mich für das Studium der evangelischen Theologie, auch wenn mir gesagt wurde, dass es nicht leicht werden würde, weil es ein langes und anspruchsvolles Studium ist. Das stimmt! Aber es ist ein spannendes und abwechslungsreiches Studium, das den eigenen Horizont weit über Fragen der Theologie hinaus fördert und Einblick in weitere Bereiche wie Philosophie oder andere Religionen und Kulturen ermöglicht. Diese Vielfalt schätze ich an meinem Studium sehr. Ich habe nicht nur theoretische Grundlagen für den Pfarrberuf gelernt, sondern habe auch meine Glaubensüberzeugungen hinterfragt, wodurch sich mein Glaube stärker gefestigt hat. Ich kann nur jedem/jeder raten, sich für dieses vielseitige Studium und diesen bereichernden Beruf zu entscheiden.

Jana Althausen

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Ein neues Pfarrstellenrahmenkonzept für den Kirchenkreis

Zurzeit gibt es gut 1.800 Pfarrstellen in der Evangelischen Kirche im Rheinland. 2030 werden es voraussichtlich nur noch 1000 Pfarrstellen sein. Dies liegt nicht zuerst daran, dass die Kirche weniger Mitglieder und darum weniger Bedarf oder Finanzmittel hat, um mehr Pfarrerinnen und Pfarrer zu bezahlen, sondern hauptsächlich daran, dass es nicht mehr Theologiestudierende gibt, die dann Pfarrstellen antreten könnten. Gab es bis zum Anfang dieses Jahrtausends noch sehr viel mehr Bewerber*innen als freie Stellen für Pfarrer*innen in der Evangelischen Kirche, ist das Pendel umgeschlagen. Ein Phänomen, das es in vielen akademisch ausgebildeten Berufsgruppen immer wieder gibt. Diesmal wird es aber durch den demographischen Wandel in unserer Gesellschaft massiv verstärkt: Es gehen in den kommenden Jahren sehr geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand und es gibt deutlich weniger Berufsanfänger in allen Berufsgruppen. Diese Entwicklung hat auch im Kirchenkreis Bonn gravierende Folgen. Von den zurzeit 26 ¼ Pfarrstellen im Kirchenkreis Bonn in Gemeinden, Krankenhäusern, in der Öffentlichkeitsarbeit und Erwachsenenbildung werden 2030 nur noch 14,5 übrig bleiben. Auch bei den Berufsschulpfarrstellen wird es Änderungen geben, diese werden jedoch nicht vom Kirchenkreis, sondern von der Landeskirche gesteuert.

Um mit diesen gravierenden Änderungen gut umgehen zu können, hat der Kirchenkreis die Erarbeitung eines neuen Pfarrstellenrahmenkonzepts begonnen. In zwei Auftaktveranstaltungen und mehreren Workshop-Tagen wurde mit allen interessierten Synodalen und Presbyteriumsmitgliedern darüber nachgedacht, welches die kirchlichen Aufgaben sind, die nur von Pfarrer*innen ausgeübt werden können, und welche Dienste auch von anderen Berufsgruppen oder Ehrenamtlichen ausgefüllt werden können. Es wurde überlegt, welche pastoralen Dienste am besten in der Gemeinde angesiedelt werden müssen, um die Menschen in ihrem Wohnumfeld zu erreichen, und welche Dienste an anderen Orten wie Krankenhäusern verbleiben müssen, um wirksam zu werden. Auch wird darüber nachgedacht, ob nicht die Verkündigung und Seelsorge für Zielgruppen, die in unseren Ortsgemeinden nur schwer zu erreichen sind, für den ganzen Kirchenkreis zentral organisiert werden kann.

Wenn die Evangelische Kirche in Bonn ab 2030 mit nur noch etwa halb so vielen Pfarrerinnen und Pfarrern auskommen muss, bedeutet das, dass Gemeinden zusammenrücken werden und sich in einem Kooperationsbereich mit mehreren Gemeinden ein oder zwei Pfarrpersonen teilen müssen. Wie diese Kooperationsräume konkret aussehen können, daran werden in den kommenden beiden Jahren die Kreissynode und die Presbyterien intensiv arbeiten. Es sollen Räume entstehen, in denen Pfarrer*innen für die Kirchenmitglieder gut zu erreichen sind und in denen das Gefühl von Zusammengehörigkeit besteht. Ob sich die Gemeinden im Rahmen dieses Prozesses entscheiden, sich nur ihre Pfarrer*innen zu teilen, einen Gemeindeverbund zu bilden oder zu fusionieren ist noch ganz offen.
Das Ziel bleibt in jedem Fall eine größtmögliche Nähe und Identifikation der Menschen zu ihrer Gemeinde und Kirche zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen sich die Gemeinden aber auch bemühen, für ihre zukünftigen Pfarrer*innen Stellen zu schaffen, die attraktiv und leistbar sind. In den kommenden Jahrzehnten werden sich die Gemeinden um Pfarrer*innen bewerben – nicht umgekehrt.

Es lässt sich nicht darüber hinwegreden, dass die Veränderungen, vor denen der Kirchenkreis Bonn in den kommenden Jahren steht, gravierend sind. Andererseits sind die meisten Bonner Gemeinden hervorragend mit Mitarbeitenden anderer kirchlicher Berufsgruppen und zahlreichen engagierten Ehrenamtlichen ausgestattet. Ein Großteil des Gemeindelebens wird von ihnen getragen. All diese Bereiche blieben von den anstehenden Veränderungen unberührt. Für Verkündigung, Seelsorge und die theologische Bildungsarbeit jedoch brauchen wir neue Strukturen und mehr Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Dies ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine große Chance für unseren Kirchenkreis.

Michael Verhey

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Zeit für das Wesentliche

„Pfarrer*innen haben sonntags Dienst und Werktags frei!“ Oder?

Wer einmal Einblick in den Arbeitsalltag einer Pfarrerin oder eines Pfarrers hatte, wird schnell eines Besseren belehrt. Für die Meisten müsste ein Tag nicht nur 24 Stunden haben. Ganz nebenbei haben viele auch noch Familie, die etwas Zeit beansprucht. Vielleicht ist diese ja gerade das Wesentliche, für das Pfarrer*innen mehr Zeit bräuchten.
Mir sagte einmal die Frau eines Pfarrers, sie kann dem Zölibat sehr viel abgewinnen. So hat auch die Kirche im Rheinland erkannt, dass nicht definierte Arbeitszeiten und unterschiedliche Erwartungen an die Pfarrer*innen die Gefahr fortlaufender zeitlicher Entgrenzungen beinhalten. Deshalb hat die Landessynode 2017 beschlossen, dass Presbyterien und Pfarrer*innen in einem Prozess
„Zeit für das Wesentliche – Perspektiven für den Pfarrberuf“ Vereinbarungen

über Arbeitszeiten und Kraftressourcen treffen sollten. Zuerst einmal mussten wir klären. was denn für uns das Wesentliche am Pfarrberuf ist, nach dem Motto: Ist das wesentlich oder kann das weg?

So natürlich nicht. Wir waren uns schnell einig, dass eine Gemeinde auf Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen nicht verzichten kann und eine wichtige Aufgabe die Seelsorge ist. Dazu kommen noch Aufgaben außerhalb der Gemeinde, denen sich Pfarrer*innen nicht entziehen können. In vielen Gesprächen hat der Personalausschuss mit Pfarrerin Graner und Pfarrer Verhey versucht, individuelle Vereinbarungen über vertretbare Arbeitszeiten zur Reduzierung der Belastungen zu erarbeiten. Ende 2019 wurden die Vereinbarungen im Presbyterium beschlossen.

Und heute? Welche Erfahrungen haben wir bis heute mit den Vereinbarungen gemacht? Keine! Corona hat alles durcheinander und viele neue Herausforderungen gebracht. Also alles umsonst? Natürlich nicht. Ende 2021 wird der Personalausschuss mit Pfarrerin Graner und Pfarrer Verhey ein erstes Resumée ziehen. Wir werden uns die Vereinbarungen ansehen und herausfinden, ob und welche Schritte bereits umgesetzt werden konnten.

Gerade mit Blick auf die Pfarrstellensituation und das Pfarrstellenrahmenkonzept in 2030 wird der Prozess „Zeit für das Wesentliche“ besonders wichtig. Gut, dass wir dann schon Erfahrung gesammelt haben.

Ingrid Holzscheiter

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Allzeit bereit? Freizeit? – Ein kleiner Einblick in den Alltag unserer Pfarrer*innen

Denken wir an Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder das Wochenende, verbinden wir diese Tage vor allem damit, nicht zu arbeiten, länger zu schlafen, Zeit mit der Familie zu verbringen, Freunde zu treffen, vielleicht das zu erledigen, was wir unter der Woche nicht geschafft haben. Also an alles, was eher das Gegenteil vom beruflichen Alltag kennzeichnet. Genau diese Tage sind es aber, in denen der Pfarrberuf Hochkonjunktur hat. Natürlich müssen nicht nur Pfarrer an diesen Tagen arbeiten, auch Beschäftigte in der Gastronomie oder dem Gesundheitswesen sehen sich der Herausforderungen gegenübergestellt, arbeiten zu müssen, wenn andere das gerade nicht tun. Aber Pfarrer*innen muss zudem noch Predigten schreiben, Menschen verheiraten, Kinder taufen und Menschen trösten.

In kurzen Interviews, die wir per Zoom mit den Pfarrern der Friedenskirche geführt haben, wollten wir etwas mehr darüber erfahren, wie das Pfarramt in unserer Gemeinde erlebt wird und wie der Alltag unserer Pfarrer*innen zumindest in Teilen aussieht. Eines wurde dabei sehr deutlich: Der Beruf des Pfarrers ist teilweise sehr fordernd, nicht unbedingt familienfreundlich, lebt aber von Vielfältigkeit, Abwechslung und ist zumindest für unsere Pfarrer*innen äußerst bereichernd.
Wie sieht ein Arbeitstag, oder eine Arbeitswoche unserer Pfarrer*innen also aus? Aus organisatorischer Sicht scheint sich dieser erst einmal nicht sehr stark von einem normalen Büroalltag zu unterscheiden. Die Startzeiten sind human, zwischen 8.30 Uhr und 9.00 Uhr, sagen die Pfarrer*innen unabhängig voneinander, starten sie in den regulären Arbeitsalltag. Meist orientiert sich dieser an zuvor vereinbarten Terminen, es ergeben sich aber auch spontan auftretende Notfälle. Der Feierabend beginnt meist gegen 18 Uhr. Aber es gibt auch lange Tage. Manchmal ist ein Seelsorgegespräch notwendig oder eine Veranstaltung lässt sich nicht anders planen. Gerade Treffen mit Ehrenamtlichen finden meist in den Abendstunden statt. „
Viele Vorbereitungstermine müssen abends stattfinden, weil Ehrenamtliche selbst oft im Beruf sind. Dann ist das eben so, und dann wird es eben später.“ sagt Pfarrer große Deters dazu.

Grundsätzlich haben Pfarrer*innen keinen Arbeitsvertrag, „… sondern wir haben nur eine Berufung, nennt sich das, und eine Dienstbereitschaft 24/7. Es gibt keine Arbeitszeitregelung für uns.“ sagt Pfarrerin Graner. Die gearbeiteten Stundenwochen werden deshalb durch jeden Pfarrer selbst erfasst, bzw. einige schreiben ihre Stunden auf, andere versuchen ihre gearbeiteten Stunden im Blick zu behalten und eine bestimmte Stundenanzahl nicht zu überschreiten. „Ich habe keine 40 Stundenwoche. In normalen Wochen arbeite ich 48-50 Stunden. Es gibt aber auch Wochen mit bis zu 70 Stunden Arbeitszeit. Das ist so. Von außen kann man das vielleicht nicht so ganz nachvollziehen, aber das eine Problem unseres Berufes ist, dass es eine große Strukturlosigkeit gibt. Wir müssen uns unsere Struktur schaffen. Das versuche ich auch. Das schwierige ist aber, dass jeden Tag Dinge von außen einströmen, die ich vorher nicht geplant habe. Die ich dann aber irgendwie unterbringen muss, weil jemand etwas braucht, ein Gespräch möchte. Beerdigungen kommen z.B. ja auch nicht geplant.“ sagt Frau Graner, die neben der Stelle als Pfarrerin in der Gemeinde (3/4 Stelle) noch eine Stelle in der LVR-Klinik Bonn in der Psychiatrie-Seelsorge hat. Sie besitzt eine Zusatzqualifikation als psychologische Beraterin und nutzt diese für ihre Tätigkeit in der Klinik, die wie sie selbst sagt, ihr auch sehr viel Freude bereitet: Ich bin natürlich selbst auch mein Feind, weil ich unglaublich gerne arbeite und mir viele Dinge Freude machen.“ Es ist also nicht immer leicht, sich beruflich abzugrenzen. Diese Erkenntnis teilen auch die anderen Pfarrer.

„Das ist eine Schwierigkeit, dass man manchmal mehr arbeitet, weil es ja so ist, dass die Sachen, die ich tue, zum größten Teil Sachen sind, die ich sehr, sehr gerne mache. […] Manchmal ist es dann schon schwierig, die Grenzen zu ziehen – Was muss ich machen, und was will ich unbedingt machen, und wo ist eine Grenze erreicht für mich und die Menschen um mich herum, damit es noch zumutbar ist?“ sagt Herr große Deters. Auch Pfarrer Verhey, der früher selbst regelmäßig ca. 50 Stunden und mehr die Woche gearbeitet hat sagt: „Das war auch lange Jahre für mich in Ordnung, weil ich das Gefühl hatte, ich mache das, was ich mache, gerne und es macht Spaß.“ Trotzdem ist es wichtig, sich im Beruf des Pfarrers nicht zu verlieren, sich Auszeiten zu nehmen und Freizeit zu haben, um wieder aufzutanken. Dabei hilft auch der Prozess „Zeit für das Wesentliche“ der evangelischen Kirche.

 „Mir gelingt es besser, meinen freien Tag wirklich freizuhalten, seitdem ich die Vereinbarung mit dem Presbyterium getroffen habe.“ sagt Herr Verhey. Auf der anderen Seite fiel der Prozess genau in die Coronazeit, d.h. hier sich auf die „Zeit für das Wesentliche“ zu konzentrieren war besonders schwierig, da sehr viel zusätzliche Dinge auf die Tagesordnung kamen, die Mehrarbeit verursachten, gerade in der Arbeit mit Älteren und dem Thema Digitalisierung, sagt Frau Graner. Echtes Abschalten gelingt demnach am besten im Urlaub, „Das ist wirklich Zeit für mich, in der ich tanke. Dann gehe ich auch nicht ans Telefon und lese keine Mails. Wenn ich im Urlaub bin, bin ich nicht zu erreichen.“ sagt sie und ist sich darin mit ihren Kollegen einig. Die Mutter von vier Kindern betont aber gleichzeitig, „wenn nachts jemand an der Haustür klingelt, dann mache ich die Tür auf, wenn da jemand ist, der in Not ist.“ Der Spruch „Pfarrer ist man immer“ trifft also weiterhin zu. „Zeit für das Wesentliche“ ändert nichts an der Tatsache, dass Pfarrer für ihre Mitmenschen da sind, „…wie auch ein Arzt nie einen Kranken wegschicken würde, der 5 Minuten vor Ende der Sprechstunde kommt.“, sagt Herr Verhey, „Wenn jemand dringend Hilfe braucht, dann nehme ich mir die Zeit, unabhängig von meinem Zeitplan.“ Herr Verhey berichtet außerdem kurz von seinem Auslandsjahr in Rom, in dem er die christlichen Feiertage wie ein herkömmlicher Christ dann feierte, wann sie kalendarisch stattfanden. Er hat es sehr genossen sagt er, Weihnachten und Ostern zu feiern, wenn dies alle anderen taten, „Ich lebe sonst immer ein bisschen neben der Zeit, die ich eigentlich feiere.“ Wie zu Beginn angesprochen, sind es gerade diese Tage, die einem vor Augen führen, welche Rahmenbedingungen eingehalten werden müssen, um dem Beruf folgen zu können, „An Feiertagen arbeiten, wenn man das nicht mag, dann ist man in dem Beruf falsch. Wenn man die Erwartung hat, ich möchte gerne jeden Sonntag frei haben und Weihnachten möchte ich in Urlaub fahren und an Ostern am liebsten auch, das geht nicht.“, sagt auch Frau Graner. Deshalb ist es umso wichtiger, dass der Ausübung des Pfarrberufes eine unglaubliche Motivation und ein hohes Engagement der Pfarrer*innen vorausgehen, wie es auch in den Gesprächen mit unseren Pfarrer*innen durchweg spürbar war. Sonst wird es umso schwieriger, die von außen betrachtet unwegsamen und erschwerten Rahmenbedingungen mitzutragen. Dabei nicht zu vergessen ist der Mensch, der hinter jedem Pfarrer existiert und eine wichtige Basis für die Ausübung des Berufs schafft: „Ich bin total gerne Pfarrerin und finde das nach wie vor einen grandiosen Beruf, aber es ist auch gut, dass es Menschen gibt, für die ich einfach ich bin.“ (Frau Graner)

Judith Heibter

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Eine oder Einer unter Vielen

Wie geht es mit unserer Gemeinde weiter, wenn wir keinen eigenen Pfarrer, keine eigene Pfarrerin mehr haben? Diese Frage stellen sich zur Zeit viele Presbyterien in Bonn. Auch in der Friedenskirchengemeinde würde rein rechnerisch 2030 nur noch eine 75% Stelle, statt der zur Zeit zwei 75% Stellen von Pfarrerin Graner und Pfarrer Verhey übrig bleiben. Und die Zukunft der Krankenhausseelsorge in unserer Gemeinde ist noch ganz offen. Wie geht es also weiter mit der Friedenskirchengemeinde, wenn ein neues Pfarrstellenrahmenkonzept kommt?

Ein wenig hat mich die Vehemenz dieser Frage in den bisherigen Diskussionen über das Pfarrstellenrahmenkonzept überrascht. Natürlich hat es Auswirkungen in jeder einzelnen Gemeinde, wenn wir in Bonn nur noch halb so viele Pfarrstellen haben, aber stellt das die Gemeinden infrage: Ihre Lebendigkeit, ihr inhaltliches Profil, ihre Existenz? Gemeinde lebt immer vom Engagement der Vielen. Etwa 150 Ehrenamtliche bringen sich in die Arbeit der Friedenskirchengemeinde ein. Neun Hauptamtliche bringen ihre berufliche Arbeitskraft und ihre Professionalität mit. Je mehr Menschen bei gemeindlichen Angeboten, bei Projekten, Gruppen und Kreisen zusammenarbeiten, umso mehr Erfahrungen, Ideen und Tatkraft kommen zusammen, umso stärker wird das Netz der Beziehungen. Oder theologisch gesprochen: Je mehr Menschen da sind, umso mehr Empfänger für Gottes Geist sind da. Gemeinde – gerade die Ortsgemeinde –ist immer ein Gemeinschaftsprojekt, schon seit biblischen Zeiten. Natürlich wird es zu Veränderungen kommen, wenn ein Glied im Team der Gemeinde weniger da sein wird – und Pfarrer*innen spielen sicherlich für die Verkündigung, Seelsorge und theologische Bildungsangebote eine ganz entscheidende Rolle. Aber von unserem evangelischen Selbstverständnis her hat jeder Mensch einen eigenen unmittelbaren Zugang zu Gott – es bedarf keiner priesterlichen Vermittlung des Heils. Deshalb wird die Gemeinde nicht in ihrer Existenz bedroht, wenn sie sich mit der Nachbargemeinde eine Pfarrperson teilt.

Schon heute arbeiten Pfarrer*innen auch in ihren Kernaufgaben, Gottesdienstgestaltung, Seelsorge, Konfirmandenarbeit ganz eng im Team mit anderen Professionen und vielen Ehrenamtlichen. Die musikalisch besonders gestalteten oder von Gruppen vorbereiteten Gottesdienste in der Friedenskirche sind dafür ein Beispiel wie auch der Kreis der von Pfarrerin Quester ausgebildeten ehrenamtlichen Seelsorger*innen im Johanniter-Krankenhaus oder die jugendlichen Teamer, die in den letzten Jahren unsere Konfirmandenarbeit bereichern. Wir brauchen – davon bin ich überzeugt – auch weiterhin theologisch fundiert ausgebildete Pfarrer*innen in unserer Kirche. Aber ist es nicht auch denkbar, dass z.B. ein Pfarrer die Konfirmandenarbeit in drei Gemeinden übernimmt, in jeder Gemeinde unterstützt von einer Gruppe jugendlicher Teamer, die aus der Konfirmandenarbeit dieser Gemeinde hervorgegangen und gemeinsam in Zusammenarbeit mit den Jugendmitarbeitenden der Gemeinde ausgebildet wurden. Dadurch wird das Netz der für die Zukunft unserer Gemeinden Engagierten noch größer und wir bereichern uns und unsere Arbeit gegenseitig über Gemeindegrenzen hinweg.
Wie geht es also weiter mit der Friedenskirchengemeinde? Anders. Aber weiterhin lebendig und mit Profil. Denn auch Pfarrerinnen und Pfarrer sind immer nur eine oder einer in der großen Gemeinschaft der für die Gemeinde engagierten Menschen.

Michael Verhey

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Pfarrer an exotischen Funktionsstellen

Pfarrer Stefan Dross aus Köln Ehrenfeld berichtet von seiner Motivation, seiner Arbeit und dem Projekt „Urbanes Familienkloster“:

Warum wollte ich noch mal Pfarrer werden? Ach ja richtig, wollte ich doch gar nicht. Christsein hat mich fasziniert, Glaube, der Gedanke daran, dass nicht meine Umwelt mich definiert, mir sagt wer ich bin, sondern Gott, der mich geschaffen hat. SIE, die sicherlich völlig anders ist als ich SIE mir vorstelle und die mich doch trägt und zu mir steht. Mit anderen Christ*innen über Fragen des Glaubens zu reden, mit ihnen Alltag zu teilen, zu beten, zu feiern, zu essen und gemeinsam kreativ zu werden, all das hat mich als junger Mensch berührt und bewegt mich bis heute. Dass die Freude daran eigentlich ganz gut in den Pfarrberuf passt, habe ich erst später gelernt. Zunächst einmal geht es mir nämlich wie vielen unserer Mitglieder. Gottesdienste mit einer klassischen Liturgie empfinde ich meistens als langweilig. Orgelmusik ist für mich eher gewöhnungsbedürftig, und ich weiß noch nicht, ob ich mich daran gewöhnen will. Und der Filterkaffee mit Kondensmilch, den es nach dem Gottesdienst gibt… naja lassen wir das. Immer wieder kamen aber Menschen auf mich zu – Freundinnen, Pfarrer, Kommiliton*innen –, die mich ermutigten: „Die Kirche ist viel flexibler als du denkst. Die Menschen in unserer Kirche wollen wirklich Veränderung und wir brauchen gerade Leute wie dich. Deine Ideen passen zur evangelischen Kirche.“ Spätestens in meinem Vikariat habe ich dann feststellen können, dass diese Ermutigungen keine Floskeln waren. Mein Mentor Pfarrer Martin Dielmann ermutigte mich von Anfang an meine Ideen auszuprobieren. Ich durfte und sollte Vorhandenes – auch liebgewonnenes – ruhig einmal verändern. Dabei war immer wichtig: Das Neue muss noch nicht besser sein als das Bewährte. Das Bewährte hatte schließlich viel Zeit, um zu wachsen und das Neue, was wir ausprobieren, kann ja mit der Zeit durchaus noch besser werden.
Und dann, ja dann kam da die Sache mit dem alten Gemeindehaus, was an einen Investor übergeben werden sollte. Für eine Grundsanierung oder gar einen Neubau fehlte es deutlich an Geld.

Zeit für gute Ideen.
Und wie alle guten Ideen brauchte auch diese zunächst einen Abend mit Freunden, ein kaltes Bier und viel Zeit für ungezwungene Gespräche. Das Presbyterium reagierte ausgesprochen positiv auf unsere Anfrage. Der Kirchenkreis sprang mit auf. Und innerhalb eines Jahres war das alte Gemeindehaus umgebaut und acht Erwachsene und drei Kinder zogen im April 2020, mitten im Lockdown, in das neu entstandene Urbane FamilienKloster.

Was machen wir seitdem?
Wir teilen Alltag. Essen gemeinsam. Gehen kleine Schritte in Richtung einer gemeinsamen Ökonomie und versuchen immer wieder neu auszuprobieren, was es heißt, eine geistliche Gemeinschaft zu sein. Wir beten gemeinsam. Spüren, wie verschieden wir und unsere Gottesvorstellungen geprägt sind und suchen nach guten Formen, unsere Spiritualität zum Ausdruck zu bringen. Als Pfarrer erlebe ich diesen Austausch mit meinen Geschwistern und das gemeinsame Leben als große Inspiration für meine Arbeit. Gemeinsam auf dem Weg zu sein und gemeinsam nach neuen Ausdrucksformen für unseren alten Glauben zu suchen, ist einfach etwas anderes als alleine vorne weg zu gehen. Als Urbanes FamilienKloster erproben wir im Kleinen, was wir uns für die Kirche im Großen wünschen. Beziehungsnetzwerk zu sein. Eine Gemeinschaft, die Vergebung lebt und damit eine Hoffnung, eine Botschaft des Friedens in die Gesellschaft trägtPfarrer zu sein – gerade im Kontext des gemeinsamen Lebens – bedeutet für mich deshalb vor allem, mich immer wieder neu auf diese Beziehungen einzulassen. Und Menschen in dieses Netzwerk mit einzubinden.

Was macht uns also aus, als Urbanes FamilienKloster und als Kirche? Kann man das beschreiben?

Jesus hat auf diese Frage geantwortet: „Kommt und seht!“ Denn das, was uns als Christ*innen ausmacht, ist viel leichter erlebbar als beschreibbar. Beziehungen, die von der Liebe Gottes her gelebt werden, haben eine Strahlkraft, sie leuchten und schmecken irgendwie anders.

Als Urbanes FamilienKloster ist uns deshalb die Gastfreundschaft besonders wichtig. Denn in der Gastfreundschaft erleben Menschen ein Stück dieser Beziehungsqualität. Die Kirche als Ganzes aber ist für mich eine Herberge, gestaltet von einer Gemeinschaft der Hoffnung, getragen von einem Gott der Liebe. Ich auf jeden Fall bin gerne Pfarrer.

Pfarrer Stefan Dross

Weitere Infos unter: https://www.ekd.de/eisheilige-60138.htm

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Erfahrungen als Pfarrer unter Soldat*innen

Pfarrer Dirk Voos arbeitet seit 2017 in der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit (EMFA) Bonn. Vorher war er zwölf Jahre Militärseelsorger in Köln und begleitete unter anderem Soldat*innen bei ihrem Einsatz 2009 für vier Monate im Kosovo und 2013 für viereinhalb Monate in Afghanistan.
„Wozu brauchen Soldat*innen eigene Pfarrer*innen?“ werde ich oft gefragt. „Warum waren Sie, obwohl Sie selbst den Kriegsdienst verweigert haben, zwölf Jahr Militärseelsorger?“ Ich habe die Kriegsdienstverweigerung nie zurückgezogen. Ich halte es aber für wichtig, dass Soldat*innen seelsorglich begleitet werden, weil sie durch ihren Beruf existentiell und seelisch sehr stark belastet werden. Deshalb brauchen Sie jemanden, der in schwierigen Situationen bei ihnen ist. Sie brauchen jemanden, der unvoreingenommen an ihrem Leben teilnimmt und sie als Menschen wahrnimmt, ihnen aber auch ethisch und religiös den Spiegel vorhält. Sie brauchen jemanden, bei dem Sie sich akzeptiert und verstanden fühlen. Ich finde gut, dass deshalb jüdische Soldat*innen jetzt einen eigenen Rabbiner zu ihrer seelischen Betreuung bekommen haben. Das gleiche wünschen auch viele muslimische Soldat*innen, auch wenn es eine muslimische Seelsorge – anders als in anderen Ländern – in Deutschland (noch) nicht gibt. Meine Frau hat manchmal zu mir gesagt: „Solche Seelsorge im Berufsalltag brauchen nicht nur Soldat*innen. Andere Menschen könnten sie genauso gebrauchen.“

Das finde ich auch. Menschen in besonders gefährlichen Berufen wie bei der Bundeswehr, Feuerwehr, Polizei oder in Krankenhäusern haben jedoch besonderen Bedarf. Soldat*innen müssen in ihrem Dienst mit Tod und Verletzung rechnen.
Sie müssen möglicherweise selbst verletzen
und töten. Über Leben und Tod zu entscheiden, führt sie oft in moralische Dilemmata, zu deren Bewältigung sie seelsorgliche Begleitung und ethische Beratung brauchen.

Seit die Bundeswehr mit Auslandseinätzen in vielen Krisenregionen der Welt beauftragt ist, sind diese Herausforderungen sehr gewachsen. So habe ich als Seelsorger am militärischen Flughafen in Wahn zehn Jahre Angehörige begleitet und getröstet, wenn Soldaten tot aus dem Einsatz, meist aus Afghanistan, zurückkamen.

Aber auch im Einsatz begleiten Seelsorger*innen die Soldat*innen und teilen ihr Leben in der Fremde. Wer die Erfahrungen der Soldat*innen selbst gemacht hat, versteht sie besser und das spüren die Menschen. Vier und mehr Monate viele tausend Kilometer von zuhause entfernt zu sein, ist schwer. Das nicht allein auszuhalten, hilft der Seele. Dafür bereit zu sein, ist eine wichtige kirchliche Aufgabe.

Pfarrer Dirk Voos

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Neue Gruppe „Gegen Rechts“ !

  • Juden in Deutschland haben wieder Angst!
  • Ausländerfeindlichkeit in Tat und Sprache nimmt zu
  • Wir erleben einen Rechtsruck bei politischen Wahlen in Deutschland und Europa!

Das haben wir zum Anlass genommen, eine neue Gruppe in der Friedenskirchengemeinde zu gründen, um gemeinsam einen Gegenpol gegen Hass und Antisemitismus zu setzen.
Unser Leitbild ist die Menschenfreundlichkeit Gottes zu allen Menschen unserer Erde, die sich im Gebot der Nächstenliebe offenbart:
„Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“ (Lukas 10,27).

Während unserer ersten Treffen entwickelten wir einige Ideen, wie wir als christliche Gemeinde für ein friedliches Miteinander, Toleranz und gegenseitigem Respekt eintreten können.

  • Banner auf dem Kirchvorplatz mit klaren Bekenntnissen zu Nächstenliebe
  • Thematische Gottesdienste
  • Gemeindeveranstaltungen mit Referenten und Diskussionen
  • Ausstellung gegen Hass und Antisemitismus von Juni bis September in Bonn

 Gewinnung von weiteren Menschen für unterschiedliche Aktionen in der Zukunft

Wenn Du/Ihr/Sie Interesse habt, in dieser Gruppe mitzuarbeiten, um gemeinsam gegen Hass und Antisemitismus als Christ*innen ein Zeichen zu setzen, bitte unter 0228 237922 oder klaus.peter.fri[at]ekir.de melden.

Iris Bonkowski-Weber, Reinhold Gerhard, Stefanie Graner, Jochen Peter

Im Zeitraum vom 12. bis 15. August hat die Ausstellung gegen Hass und Antisemitismus an vier unterschiedlichen Orten in unserer Gemeinde stattgefunden (Johanniterviertel, Dottendorf, Kessenich, Friedenskirche). Es wurden viele Gespräche mit interessierten Passanten geführt, insbesondere Lehrer*innen können sich vorstellen, diese Ausstellung auch in ihre Schulen weiterzutragen. Abgeschlossen wurde die Aktion mit einem gut besuchten Gottesdienst. Im Anschluss konnte die Ausstellung auf dem Kirchvorplatz betrachtet werden.

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Vom Bücherkeller zum Bücherschrank

Seit Mai 2018 ist unser beliebter Bücherkeller nun schon geschlossen. Wie doch die Zeit vergeht. Viele schöne Bücher lagern immer noch im Keller, ohne dass wir sie – auch wegen Corona – zum Verkauf anbieten können. Der Erlös aus dem Bücherverkauf kam der Quirinusbrunnenstiftung zu Gute. Die Einnahmen gingen allerdings zuletzt gegen Null. So reifte die Idee, einen Bücherschrank auf dem Kirchvorplatz aufzustellen. Herr große Deters bietet an, diesen zusammen mit Jugendlichen zu bauen. Er soll zu den Bänken, die vor der Kirche stehen, passen.

Einen Bücherschrank aufzustellen ist eine Sache, ihn zu pflegen eine andere. Wir suchen deshalb Bücherfreunde, die etwas Zeit aufbringen können, um die Bücher in Ordnung zu halten, zu sortieren und so zu verhindern, dass in dem Bücherschrank Chaos herrscht und bald ein großer Müllbehälter daraus wird.

Das Bücherkellerteam, Frau Holzscheiter und Frau Dittmar, freuen sich auf tatkräftige Unterstützung.

Ingrid Holzscheiter

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Neue Homepage für die Friedenskirchengemeinde

Herr Göttling, die Friedenskirche bekommt eine neue Homepage – warum? Die alte ist doch gar nicht so schlecht.

Wenn man die alte Homepage auf dem PC aufruft, mag das sein. Auf dem Smartphone aber sieht man, dass sich die Größe der Seiten nicht an den kleineren Bildschirm anpasst. Und da mittlerweile die meisten Zugriffe auf Websites nicht mehr über einen klassischen PC oder Laptop stattfinden, mussten wir darauf reagieren. Jetzt hat die Landeskirche gerade ein neues Layout vorbereitet, das solch eine automatische Anpassung an die Bildschirmgröße des Endgeräts vorsieht. Da war es dann eine gute Gelegenheit, dieses neue Layout auch für die Friedenskirche zu nutzen.

Was ändert sich denn jetzt genau?

Die einzelnen Seiten sehen ganz anders aus, eben so, wie die Landeskirche sich eine moderne Homepage vorstellt. Die Arbeit zur Pflege ist recht gering, weil wir uns keine Gedanken darüber machen müssen, wie die einzelnen Seiten aussehen sollen. Wir können uns auf die Inhalte konzentrieren.

Und was gibt es für neue Inhalte auf der Homepage?

Wir werden ab sofort den Veranstaltungskalender, den uns die Landeskirche zur Verfügung stellt, sehr intensiv nutzen. Bisher waren dort nur unsere Gottesdienste zu finden. Jetzt wird jede einzelne Veranstaltung der Gemeinde in diesen Terminkalender eingetragen. Neben den herausragenden Veranstaltungen, den sogenannten Höhepunkten wie Gemeindefest oder Konzerten, wird auch jeder einzelne Termin unserer Arbeitsgruppen zu finden sein. Wenn ich also zum Beispiel wissen will, wann die nächste Probe des Jugendchors stattfindet, kann ich das auf der Homepage finden.

Das bedeutet doch jede Menge Pflege? Wie wollen Sie diese ganzen Termine nachhalten?

Unsere Mitarbeiterin in der Verwaltung, Lavinia Rütten, hat bisher schon regelmäßig den Wochenspiegel mit allen Terminen der kommenden Woche erstellt. Dieser Wochenspiegel wird dann in den Schaukästen ausgehängt und auf die Homepage gestellt. Sie trägt jetzt diese Informationen in den Veranstaltungskalender ein. Damit sind die Termine dann automatisch auf der Homepage verfügbar. Der Wochenspiegel lässt sich daraus automatisch erzeugen. Es ist also keine zusätzliche Arbeit erforderlich.

Das klingt ja sehr vielversprechend. Kann man diese Informationen dann nicht auch noch an anderen Stellen verwenden?

So wie bisher die Gottesdiensttermine aus dem Terminkalender schon automatisch an den General-Anzeiger übermittelt werden, gibt es auch weitere Möglichkeiten. Wir wollen zum Beispiel einen Newsletter anbieten, in dem auf besondere Veranstaltungen hingewiesen wird. Der Newsletter kann quasi per Knopfdruck aus dem Veranstaltungskalender erzeugt werden. Und überregional interessante Veranstaltungen wie unsere jährliche Predigtreihe werden ebenfalls automatisch auf den Websites des Kirchenkreises oder anderer Kirchengemeinden angezeigt.

Steht nicht in der aktuellen Gemeindekonzeption „Angebote breiter kommunizieren“ als eines der Ziele für die nächsten Jahre?

Ja, genau. Durch dieses Ziel war auch die Initiative entstanden, die Homepage zu überarbeiten und zu erweitern. Wir können jetzt zum Beispiel mit einem Matrixcode (QR-Code) direkt auf unsere Gemeindekonzeption auf der neuen Website verweisen. Wer ein Smartphone nutzt, kann diesen Code hier scannen und kann dann am Ende der Gemeindekonzeption lesen, was unsere weiteren Ziele für die nächsten vier Jahre sind.

Müssen wir jetzt eine neue Web-Adresse aufrufen, um die neue Homepage zu erreichen?

Wir werden die bekannte Adresse friedenskirche-bonn.de bei der Umstellung auf die neue Homepage beibehalten. Ich kann nur jede und jeden ermutigen, selber mal nachzuschauen, wie die neue Homepage sich jetzt darstellt.

Percy Göttling

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Denk mal … über Impfgerechtigkeit weltweit nach

Die Corona- Pandemie bestimmt unser aller Leben. Medico International bringt es auf den Punkt: „Die Welt ist zu einer Patientin geworden. Die Krankheit heißt Covid-19 und hat uns allen die unentrinnbare Verflochtenheit des Planeten vor Augen geführt. Heilung geht nur global oder gar nicht – so lautet eine der wichtgsten Lektionen der Pandemie, der sich niemand mehr entziehen kann.“

Doch während wir in Deutschland und in anderen wirtschaftlich wohlhabenden Ländern die Aussicht haben, noch in diesem Jahr die gesamte Bevölkerung durch Impfungen zu schützen, während wir uns an wiedergewonnenen sozialen und kulturellen Freiheiten erfreuen und Reisepläne verwirklichen können, wird den Ländern des globalen Südens die Möglichkeit verwehrt, sich in gleicher Weise zu schützen. Dies hat schon jetzt katastrophale Auswirkungen. Die Ge-sundheitssysteme brechen zusammen. An Covid-19 starben bereits weltweit über vier Millionen Menschen. Vor allem in den wirtschaftlich armen Ländern rechnet die Weltgesundheitsorganisation bis 2025 mit weiteren 1,5 Millionen Todesopfern nur durch Tuberkulose. Andere Krankheiten wie z.B. Malaria, HIV kommen dazu. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass wieder mehr Menschen weltweit hungern werden, weil sie aufgrund von Covid-19 ihre Jobs verloren haben – ohne Absicherung!
Das müsste nicht so sein! Es fehlt eine weltweite solidarische Strategie gegen die Covid-19 Pandemie. Zwar werden Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Maas nicht müde, zu betonen, dass der Zugang zur Impfung für alle Länder möglich und bezahlbar sein müsse. Doch gleichzeitig verhindert die Bundesregierung, dass in den Ländern des Südens eigene Impfstoffe produziert werden können.

Unsere kirchliche Entwicklungsorganisation „Brot für die Welt“ setzt sich deshalb mit
über 100 Regierungen, hunderten internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften, Gesundheitspersonal, Kirchenvertreter*innen und fast 300 europäischen Parlamentarier*innen für eine gerechte, weltweite Verteilung der Impfstoffe ein und fordert, eine globale Produktionsausweitung zuzulassen. Dafür sei es notwendig, die geistigen Eigentumsrechte für die Herstellung von Impfstoffen auszusetzen, mindestens so lange, bis die Corona-Pandemie eingedämmt ist.

Der Rheinische Dienst für Internationale Ökumene (RIO) hat diese Kampagne gemeinsam mit der westfälischen Partnerorganisation MÖWe (Amt für Mission, Ökumene und Kirchliche Weltverantwortung) aufgegriffen. Vor allem Konferenzen mit den Partnern aus dem Süden haben noch einmal die Dringlichkeit verstärkt, sich unverzüglich und entschieden für „Impfgerechtigkeit weltweit“ einzusetzen. „Unsere Freundinnen und Freunde im Norden können uns vor allem mit einer engagierten Kampagne für Impfstoff helfen!“ brachte es Uhuru Dempers für die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia auf den Punkt.

Deshalb fordert RIO Kirchenkreise und Gemeinden auf, sich die Kampagne von Brot für die Welt und anderer Organisationen wie „DIFÄM“ (Deutsches Institut für Ärztliche Mission) zu eigen zu machen. RIO bittet Gemeindeglieder, Ge-meinden, den Kreissynodalvorstand und die Kirchenleitung, sich in Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen für Impfgerechtigkeit, und das meint eben auch die vorübergehende Aussetzung der Patentrechte für Covid-19 Impfstoffe, stark zu machen. Der bevorstehende Bundestagswahlkampf bietet dazu eine gute Gelegenheit. Ebenso besteht die Möglichkeit, als Einzelner und als Gremium nach dem Vorbild von „Brot für die Welt“ und DIFÄM die deutsche und europäische Kampagne zur Aufhebung des Patentschutzes und für eine gerechte Verteilung von Impfstoff zu unterstützen: https://www.patents-kill.org/deutsch/https://noprofitonpandemic.eu/de/ Der Generaldirektor der WHO Tedros Ghebreyesus sieht die Welt am Rande eines katastrophalen moralischen Versagens. Wir sollten und können uns als Christinnen und Christen mit dieser Situation nicht abfinden.

Helmut Müller Rheinische Dienst für Internationale Ökumene (RIO) der EKiR

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Die Fluten als widergöttliche Chaosmächte – oder: Christus im Schlamm. Theologische Gedanken zur Überschwemmung

Unter dieser Überschrift hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, am 18.7.2021 in seinem Blog den folgenden Text geschrieben, den wir von der Gemeindebriefredaktion gerne mit Ihnen teilen möchten:

„Mich erreichen aktuell Anfragen wie: „Ist die Überschwemmung nicht ein Gerichtshandeln Gottes, mit dem er uns zur Umkehr rufen will?“ Um klar zu antworten: Nein! Ich halte solche Deutungen für theologisch schief, logisch kurzschlüssig und hochproblematisch. Oft verbinden sich solche Interpretationen mit bestimmten Werturteilungen, worin die „Unmoral“ unserer Gesellschaft im Allgemeinen oder der Kirche im Besonderen bestehe.

Nein, wir können als Menschen Gott nicht in die Karten schauen. Biblisch gesprochen: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jes 55,8f.) Auch in den Evangelien wendet sich Jesus gegen solche vereinfachenden religiösen Geschichtsdeutungen – sei es bei der Deutung des damaligen Unglücks beim Turm von Siloah (Luk 13,1-5) oder bei der Interpretation der Heilung eines Blindgeboren (Joh 9,1ff.). Jedes Mal widerspricht er der religiösen Vereinnahmung fremden Leidens zum Zwecke moralischer Selbstvergewisserung. Auch im Blick auf die Vorstellung, wie Gott in der Geschichte handelt, halte ich die Deutung für theologisch abwegig. Gott ist kein Theater-Gott, der wie aus der Nebel-Maschine auftaucht, um hier oder dort mal richtig reinzuhauen und Tacheles zu reden (deus ex machina). Gerade die Sintflut-Geschichte (1. Mose 6-9) verabschiedet doch eine solche Vorstellung – weil, so die Geschichte, „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse von Jugend an“ ist (1. Mose 6,5; 8,21). Und wo sollten wir dann anfangen und aufhören bei den „Plagen“ der Menschheit: JedeSeuche (Corona, Schweinegrippe, Ebola, Aids, …), jedes Unwetter (Taifun, Hurrikan, Zyklon …) oder Dürre, jeder Gebäudeeinsturz, Flugzeugabsturz, Terroranschlag, … eine Botschaft Gottes? Und wenn schönes Wetter ist, ist Gott zufrieden oder nur geduldig? Nein. Das ist nicht das Gottesbild des Evangeliums. Gott „lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Matt 5,45) Allen Freund-/innen apokalyptisch-theologischer Geschichtsdeutungen sei das Jona-Büchlein zur Lektüre herzlich anempfohlen: Gottes herzliche Fürsorge für Mensch und Vieh ist eine Zumutung für alle Untergangspropheten.

Das heißt nicht, dass theologisch nichts zur Flut zu sagen wäre. Die Bibel bezeugt Gott als Schöpfer, der den Chaosmächten, den Ur-Fluten eine Grenze setzt, um so Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen zu ermöglichen. Davon spricht der erste Schöpfungsbericht (1. Mose 1-2,4a), ebenso wie viele Psalmen, etwa Psalm 74,12-17: „Gott ist ja mein König von alters her, der alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht. Du hast das Meer gespalten durch deine Kraft, zerschmettert die Köpfe der Drachen im Meer. Du hast dem Leviatan die Köpfe zerschlagen und ihn zum Fraß gegeben dem wilden Getier. Du hast Quellen und Bäche hervorbrechen lassen und ließest starke Ströme versiegen. Dein ist der Tag und dein ist die Nacht; du hast Gestirn und Sonne die Bahn gegeben. Du hast dem Land seine Grenze gesetzt; Sommer und Winter hast du gemacht.“ Gott ist ein schöpferischer Gott, der Raum für Leben schafft und die urzeitlichen Chaosmächte bekämpft, die dieses Leben gefährden. Wenn man die Unwetter theologisch interpretieren will, dann doch eher so: Sind wir Menschen mit unserer Konsum- und Lebensweise selbst zu einem Leviathan, einem urzeitlichen, mythologischen Ungeheuer geworden, das den Bestand des Lebensraumes von Menschen, Tieren, Pflanzen bedroht? Entfesseln wir mit unserer Lebensweise zerstörerische Kräfte, die Gott als Schöpfer gerade eingehegt hat? Auch hier formuliere ich bewusst mit Vorsicht. Einen „deus ex machina“ halte ich auch mit ökologischen Vorzeichen für verkürzt. Und auch mit politisch richtiger Nachhaltigkeitsperspektive kennen wir nicht den „Masterplan Gottes“. Wie Gott in der Geschichte handelt, bleibt uns letztlich verborgen. Wir wissen aber um die Liebe Gottes zu allen seinen Geschöpfen – eine kreative, kämpferische, mitleidende Liebe. Eine Liebe, die keine Chaosfluten schafft, sondern sie im Gegenteil verhindert. Sinnbild dessen ist für mich Christus als leidender Schöpfungsmittler am Kreuz. Heute beim Seelsorge-Gang durch Ehrang
zum Verteilen von Kaffee, Brötchen und Keksen trafen wir auf eine Frau aus der Gemeinde. Sie hatte das Kruzifix ihrer katholischen Oma im überschwemmten Keller gefunden und sichtbar nach draußen auf eine rote Kiste gestellt. Der Gekreuzigte im Schlamm der Überschwemmung. Für mich ist Gott heute genau dort gewesen – mitten im Schlamm der Überschwemmung, auf der Seite der leidenden Menschen, wie seit Urzeiten im Kampf gegen die Chaosmächte.

Flut-Gebet

Gott, die Wasser haben mir auch die Worte weggespült.
Das Leid, das Menschen gerade geschieht, ist so unfassbar,
dass ich selbst beim Klagen nicht weiß, wo anzufangen.
Bei denen, die ertrunken sind? Bei den Vermissten?
Wir wissen selbst heute noch nicht einmal, wie viele.
Bei denen, die ihr Haus, ihr Geschäft, alle ihre Lebenserinnerungen verloren haben?
Mit der eigenen Wohnung haben viele zugleich ihre Heimat, ihr Vertrauen verloren.
Gott, Du weißt um die Not, für die uns die Sprache fehlt.
Um die vielen Tränen, die dennoch nicht reichen, und die ungeweinte Trauer.
Gott, schenk uns die Kraft jetzt für einander da zu sein.
Einander festzuhalten, wo unser Grund und Halt weggespült wurde.
Gott, gib uns Mut, wieder aufzustehen. Gegen Schlamm und Schutt.
Lass uns für einander Trösterinnen und Hoffnungsbringer sein.
Gott, hilf uns umzugehen mit dem, was wir nicht verstehen.
Und hilf uns so zu leben, dass sich solche Katastrophen nicht vermehren.
Sprich Du selbst Amen, wenn wir es nicht mehr können.

Thorsten Latzel

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Vereint für Vielfalt – ein Projekt der Flüchtlingsarbeit der Diakonie

Ehrenamtliche Projekte und Initiativen haben geflüchteten Menschen in den letzten Jahren das Angekommen erleichtert und haben sich als Anlauf- und Zufluchtsstellen etabliert. Mit dem Projekt Vereint für Vielfalt gehen wir den nächsten Schritt: Wir eröffnen Geflüchteten einen Weg, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Wie kann das gelingen?

Vereint für Vielfalt bringt engagierte Vereine aus Bonn, Rheinbach, Meckenheim und Swisttal mit Menschen aus Drittstaaten zusammen. Wir unterstützen Vereine und Initiativen, ihre Strukturen zu öffnen, damit eine erfolgreiche Integration von Drittstaatenangehörigen nicht nur als Mitglieder, sondern als Ehrenamtler*innen im Verein gelingt.

Eine Brücke bauen

Mit „Vereint für Vielfalt“ bauen wir eine Brücke bauen zwischen dem Bedarf an Ehrenamtlichen in der Vereinswelt und der notwendigen Integration Geflüchteter in die Gesellschaft.

Interesse geweckt? Sprechen Sie uns an. Kontakt: Franziska Kremser-Klinkertz

E-Mail: vereint-fuer-vielfalt[at]dw-bonn.de, Tel.: 0173 57 92 684

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert.

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In der Klimakrise die Schöpfung bewahren

Die Arbeitsgruppe der Friedenskirche zu ökologischen Fragen besprach im ersten Halbjahr 2021 das von der Bundeszentrale für Politische Bildung empfohlene Büchlein „Kleine Gase – Große Wirkung“. Die Verfasser David Nelles und Christian Serrer, Studenten der Wirtschaftswissenschaften, haben darin wissenschaftlich fundierte Informationen zum Klimawandel anschaulich zusammengestellt. Sie betrieben intensive Recherchearbeit und führten viele Gespräche mit Wissenschaftlern und Unterstützern. Sie wollen mit diesem Büchlein möglichst vielen Menschen die Ursachen des Klimawandels verständlich erklären und sie motivieren, sich für den Umwelt- und Klimaschutz zu engagieren. Für die Arbeitsgruppe ging es nun darum, die Fakten, Zusammenhänge und Folgerungen in den einzelnen Kapiteln in der Aussage nachzuvollziehen und diese sich selbst plausibel zu machen. Hier nun ein kleiner Überblick – der das genauere Studium des Büchleins natürlich nicht ersetzen kann.

Der Treibhauseffekt ist Teil unserer Lebensbedingungen auf unserem Planeten. Ohne die Erdatmosphäre würden die Strahlen der Sonne wieder ungehindert ins Weltall zurückreflektiert – das Klima der Erde wäre dann etwa 33o C kälter. Die in der Erdatmosphäre natürlich vorkommenden Treibhausgase verhindern jedoch den direkten Austritt der Wärmestrahlung ins Weltall und geben sie teilweise in Richtung Erde wieder zurück. Nur so haben wir auf der Erde eine durchschnittliche Temperatur von +14oC (vor Beginn der Industrialisierung, ca. 1880). Die Zusammensetzung und damit die Wirkung der Treibhausgase ist nun aber recht unterschiedlich: Sieht man vom Wasserdampf (H2O) ab, so macht Kohlenstoff (CO2) mengenmäßig den größten Anteil aus, hat nur ein mäßiges Wärmepotential, verbleibt aber 1 Mill. Jahre.

Wolken (Wasserdampf) wirken unterschiedlich, je nachdem in welcher Höhe sie sich befinden: Zirruswolken wirken eher erwärmend, Cumuluswolken eher abkühlend. Auch die Meeresströmungen beeinflussen über Wind; Salzgehalt und Gezeiten das Klima. Gäb es dieses Förderband nicht, würde die Nordhalbkugel der Erde um ein paar Grad kälter.

Der grönländische Eisschild wird dünner und zunehmend brechen Eisberge ab, mit der Folge, dass alleine dadurch jährlich der Meeresspiegel um ca. 0,8 mm ansteigt. Auch in der Antarktis ist ein Wärmeeffekt zu spüren: der Eisschild wird dünner und driftet in das Meer ab, wo es schneller schmilzt. Ein Schmelzen des gesamten Landeises der Erde hätte einen Meeresanstieg von 66 Metern zur Folge, das Schmelzen des Meereises dagegen einen nur geringen Anstieg. Das Schmelzen der Permafrostböden (Sibirien, Kanada, Alaska) führt zu Freisetzung von Treibhausgasen durch Zersetzungsprozesse, was langfristig nochmals zu Temperaturanstieg führt (Permafrost-Kohlenstoff-Rückkopplung). Der Permafrostboden wird instabil, was zu Erdrutschen, Felsabbrüchen und Küstenerosion führt.

70% der Erde werden von Ozeanen bedeckt. Der größte Anteil der Klimawandel-Energie wurde von ihnen bisher aufgefangen – bei gleichzeitigem Temperaturanstieg. Auch CO2 wurde aufgenommen – mit der Folge der Versauerung. Allerdings nimmt bei Erwärmung die Fähigkeit zur CO2-Aufnahme ab und es ist weniger Sauerstoff (O2) enthalten. Auch entsteht mehr Wasserdampf, welches nochmals zur Wärmedynamik beiträgt (Wasserdampf-Rückkopplung) – und umso mehr bei zunehmend steigendem Meeresspiegel. Im Nordatlantik verringert das Schmelzwasser aus Landeis die Dichte des Oberflächenwassers, was voraussichtlich zu einer Abschwächung der atlantischen Zirkulation (u.a. Golfstrom) führt, mit der Folge von Abkühlung und Zunahme von Stürmen in Europa.

Durch den Klimawandel werden zunehmend Hitzerekorde und –wellen ausgelöst, d.h. sowohl die Durchschnittstemperatur steigt an, wie auch die Spitzenwerte nehmen zu und entsprechend nehmen Kälteextreme ab. Durch höhere Temperaturen kann die Luft mehr Wasserdampf aufnehmen, wodurch es auch zu höheren Niederschlagsmengen kommen kann. Da Wasseraufnahme und -niederschlag i.d.R. durch Luftzirkulation räumlich auseinanderfallen, werden Versteppung und Wasserreichtum extremer. Auch nehmen Starkregenereignisse zu, so in Mitteleuropa durch die stärkere Erwärmung des südwestlich gelegenen Mittelmeeres. Bezüglich tropischer Wirbelstürme rechnet man zwar mit weniger aber stärkeren Stürmen. Gewitter (und Hagelbildung) wiederum könnten häufiger und stärker werden, was sich auch in der Schadensbilanz für Europa der Versicherungen wiederspiegelt. Betroffen vom Klimawandel ist nicht zuletzt der Mensch selbst. Durch Unterernährung, neue oder vermehrte Krankheitserreger, Hitzeextreme und Naturkatastrophen sind weitreichende gesundheitliche Schäden zu erwarten. Auch die psychische Gesundheit ist in Rechnung zu ziehen. Beispiele für Krankheitserreger: Cyanobakterien, Salmonellen, Cholerabakterien, Dengue-Virus, Chikungunya-Virus. Vom Klimawandel werden städtische Regionen besonders betroffen sein. Sie absorbieren die Wärme stärker, erwärmen durch Kühlanlagen zusätzlich, verursachen Dunstglocken und verhindern Luftaustausch, Verschattung und Verdunstung (Wärmeinseleffekt). Die Landwirtschaft wird von Dürre, Hitze und Starkregen beeinträchtigt werden. Auch solche Pflanzen, die höhere Wärmegrade vertragen und von der CO2-Zunahme (Düngungseffekt) profitieren, werden dagegen weniger Nährstoffe enthalten. Die Begrenzung der Klimaerwärmung wird hohe Vermeidungskosten erfordern. Andererseits stehen denen Schadens- und Anpassungskosten durch die Klimaerhöhung gegenüber. Vermutlich sind die Kosten für die Begrenzung der Erwärmung geringer als die der Folgen, abgesehen davon, dass das Risiko unumkehrbarer Schäden bei weiter zunehmender Erwärmung steigt.

Uns wurde klar, dass der Klimawandel nicht nur eine Anzahl von tolerierbaren oder beherrschbaren Symptomen bedeutet, sondern eine gefährliche Dynamik hat, die die nächsten Generationen massiv bedrohen wird. Wie, warum und mit welchen Folgen wurde klarer. Konkret geht es also um Nachhaltigkeit, was Energieressourcen, Mobilität, Technologieeinsatz, Energieeffizienz, Konsumverhalten und auch politische Entscheidungen betrifft. Künftig werden wir uns darum mit Folgerungen für unser Handeln sowie mit bestehenden Empfehlungen und Modellen zur Klimabewältigung auseinandersetzen und darüber berichten. In diesem Sinne „Die Schöpfung bewahren“ können wir allerdings nicht nur als Einzelne, sondern brauchen den gegenseitigen Dialog und gemeinsames Handeln.

Peter Ohly, Frauke Wollenweber, Mitglieder der AG Schöpfung

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Britta Schröter-Welsch – Abschied aus dem Presbyterium

Mit Wirkung vom 17.8.2021 hat unsere Presbyterin Britta Schröter-Welsch ihr Amt als Presbyterin niedergelegt.

Als sie im November 2016 ins Presbyterium kooptiert wurde, hat sie gesagt: „Ich freue mich auf die spannende, herausfordernde und inspirierende Arbeit für die und mit der Friedenskirchengemeinde.“

Nun ist die Herausforderung des Presbyteramtes neben allen anderen Herausforderungen zu viel geworden und Britta Schröter-Welsch hat sich schweren Herzens dazu entschieden, aus dem Presbyterium auszuscheiden.

Auch wir im Presbyterium werden sie mit ihrer ruhigen und klaren Art und ihrer Fähigkeit, den Blick in Diskussionen noch einmal in andere Richtungen zu lenken, vermissen. Im Namen des Presbyteriums und der Gemeinde sage ich: „Vielen Dank, liebe Britta Schröter-Welsch, für Ihr Engagement im Presbyterium.“ Zum Glück werden wir an vielen anderen Stellen in der Gemeinde auch weiterhin zusammen arbeiten.

Stefanie Graner

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Nachfolger*in gesucht:

Wenn Sie, liebe Leser*innen, sich vorstellen könnten, im Presbyterium mitzuarbeiten, sprechen Sie uns bitte an, denn wir möchten den Platz im Presbyterium gerne wieder besetzen.

Stefanie Graner

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1  Ev. Erwachsenen Katechismus, 7.Auflage, S. 632

2  Wikipedia, Pfarrer

3  Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Eintrag Pfarre

4  Friedrich Kluge (Hrsg.): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, S. 624.

5  Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong, TheologIn – ManagerIn – Mädchen für alles – Herkunft und Zukunft des Pfarrberufes

6  ebd.